Donnerstag, 18. August 2011

Urban Archeology: Flugzeugklatscher

Was einst gang und gebe war erscheint uns heute wie eine längst vergangene Ära. Eine Ära die viele von uns miterlebt haben, höchstwahrscheinlich aber in eine dunkle Ecke unseres Gedächtnisses verdrängt haben. Es war eine glorreiche Zeit, in der die Menschheit sich mit Neugierde und Aufregung in die Lüfte schwang, jedoch zu faul und degeneriert war um sich dafür einen Anzug anzuziehen: Es war die Zeit der Flugzeugklatscher.

Airplane Clapper Champions '97! GO CLAPS!

Setzt euch her, Kinder, und ich erzähl euch von einer Zeit, in der die Leute mit Respekt und Ehrfurcht dem Beruf des Piloten ehrten. Eine Zeit in der die Stewardessen noch scharf waren. Wenn man flog, flog man mit einem Funkeln in den Augen. Bemannt mit Walkman und Nylonfarbenen Turnhosen stieg man in das Flugzeug, im vollen Vertrauen, dass der gutaussehende Schwerstalkoholiker im Cockpit das tonnenschwere Gefährt sicher ans Ziel manövrieren wird. Wenn es dann soweit war - egal ob man sanft wie eine Wolke gelandet ist oder mehr durchgewühlt als ein vertigöser Drehwurm in der Waschmaschine - fing es dann almählich an. Erst leise, dann immer lauter. Das sanfte Crescendo aufeinanderklatschenden Fleisches.

Klatsch. 
Klatsch. 
Klatsch.

Neulich sehnte ich mich mit nostalgischem Verlangen in diese Zeit zurück.
Es war eine kleine Maschine. Ich war schon seit Stunden unterwegs. Ein kurzer Flug von Kopenhagen nach München. Pretty standard stuff. Und in der Tat velief der Flug bis auf ein monströses Schädelweh problemlos.

Dann kam die Ansage: "Leedies end Tschentlmen, ve vil ärreif ahr feinl Destinääschn in about fiffteen minnits!"


Anfangs wusste ich nicht, warum ich mich so sehr über diese Ansage freute. Ja, 15 Minuten. Toll. Ich muss nachher noch Zug fahren, also bin ich eh noch nicht daheim.

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

Der Pilot auf diesem Flug befreit mich gleich von der nervtötenden Deutschen die mit ihrer nasalen Stimmen und in furchtbar miesem Englsich ihrem Amerikanischen Sitznachbarn erklärt,: "No, no! ESSBAAAHN! Wick-Tuu-AAAAlien-Markt!!" und dem kreischendem Baby der Dame vor mir, die - vollkommen ignorant der bösen Blicke die auf sie gerichtet waren - das Baby ignoriert und fröhlich mit ihrer Freundin über Brustmilch plaudert. Es war ein Zeichen, dass ich in 15 Minuten nicht mehr neben dem eigenartigen Italienischem Herren sitzen muss, der mit viel zu viel selbstverständlichkeit und ohne Scham in der Nase bohrt (Ja, ich hab ihn den Finger lecken gesehen.).

Popeln: You're doing it wrong.

Da überwältigte mich die Nostalgie.

Flieg schneller Pilot!

...Der Knabe bekommt einen Applaus von mir.