Donnerstag, 26. Mai 2011
Nostalgietöter: Warum deine Kindheit vergleichsweise mies war.
"WAAAS??? Kindheit nicht so toll??" wirst du dich wundern. doch lieber hypothetischer Leser, hör mir zu. Erwachsensein ist total geil! Und zwar aus folgenden Gründen:
1.) Was ich will, wann ich will.
Neulich bin ich aufgewacht, hab mein Zeug für den Tag zusammengepackt und - verplant wie ich bin - hab ich komplett die Zeit übersehen. Frühstück war also nicht drin. Da mein Magen aber mehr Krach gemacht hat als ein Paukenspieler in einer Feuerwersfabrikhallenexplosion hat eine Lösung her müssen. Man greift also in den Schrank und....
Kekse. Ich hatte Kekse zum Frühstück.
Für viele Leute ist das jetzt das endgültige Zeichen, dass ich ein Sozialversager bin, der es nicht schafft, eine gesunde Ernährung zu pflegen. Mag sein. Aber trotzdem: Kekse. Zum Frühstück.
Ich möchte ein kleines Experiment durchführen. Schließe deine Augen. Augen zu? Gut.
Jetzt schau tief in dich hinein. Irgendwo unter deinem emotionalen Ballast, gleich neben den Verdrängten Erinnerungen muss dein inneres Kind sein. Gefunden? Prima.
Jetzt frag dieses Kind mal, was, wenn es denn am liebsten gerade hätte?
Fast jedes Kind wird dir irgendeine Süßigkeit nennen. Ausser, die Leute unter den Lesern, die Batman sind. Da will das innere Kind nur Rache.
Der nächste Schritt in unserem Experiment ist, dass man mit dem Finger auf das innere Kind zeigt und lauthals zu lachen anfängt.
Punkt ist der: Als Kind ist man komplett abhängig von Erwachsenen oder wolgesinnten Freunden um an Köstlichkeiten zu kommen. Als Erwachsener kannst du, wenn du es so willst, mitten in der Nacht ins Auto steigen, zur nächsten Einkaufsgelegenheit fahren, und dir die Wanst um 4 Uhr Morgens mit Kristallzucker, Fett und Gluten vollstopfen.
Das Tolle daran? Es kann niemand etwas dagegen tun. Natürlich werden dich die Leute komisch anschauen, wenn du mitten in der Nacht in der Tanke stehst und probierst, dir intravenös Vanilleeis einzuführen, aber dagegen tun können sie nicht. Ist ja nicht illegal. Das nächste Mal wenn du also etwas süßes isst, nimm dir doch bitte die Zeit, um dein inneres Kind zu verhöhnen.
2.) Problemlösender Gott von Allem!
Kinder haben auch Probleme. Diese sind allerdings fundamental unterschiedlich zu denen, die wir als Erwachsene haben. Statt "Wo sind eigentlich meine Hosen" und "Wie beseitige ich jetzt die Leiche?" fragen sich Kinder viel naivere Sachen. Sachen, die wir als Erwachsene nicht mal mehr als Problem erachten.
Neulich hat mich vor einer Volksschule ein Kind angesprochen, weil eseine werwaiste Schultasche gefunden hat. Für das Kind ein unüberwindbares Problem. Für uns (OK, ich hatte Hilfe) kein Problem: Reinschauen, Namen finden, in die Schule, "Soundso hat seine/ihre Tasche vergessen. Danke. Wiederschau'n!"
Instant. Problem. Solving.
Wo das Kind gnadenlos gescheitert wäre, haben wir SOFORT eine Lösung gefunden und durchgesetzt. Wie Batman. Erwachsene sind wie Batman.
Geil.
3.) Magischer, weltbewanderter Experte im Toll sein
Kinder Haben Vorstellungen von allem. Zum Beispiel Banken. In Banken gibt es Geld. Die Freundin meines Bruders hat mir einmal eine geschichte erzählt, wie sie als kleines Mädchen in eine Bank spaziert ist, um einen Kredit in der Höhe von ein paar Schilling aufzunehmen. Sie wollte sich damit ein Jolly-Eis kaufen.
Wir Erwachsenen wissen, dass das kompletter Blödsinn ist. Weil wir wissen wie Banken funktionieren.
Genau da ist der springende Punkt: Wir brauchen keine Experten zu sein, was Wirtschaftswesen, Kreditwürdigkeit usw. betrifft. Es reicht schon, dass wir wissen, wie man einen Erlagschein ausfüllt, welche Zahl auf deiner Karte jetzt die Kontonummer ist, und wie man tolle Erwachsenengespräche mit den Bankangestellten führt. Reicht.
Das alles ist für Kinder vollkommen unverständlich. Wenn sie einen Erlagschein sehen, ist ihr erster Instinkt, sich in die Hosen zu machen oder ein Bild darauf zu malen. Wir haben das Ganze durchschaut. Und zwar alleine. Ich kenne keinen, dem beigebracht worden ist, wie man einen Erlagschein ausfüllt. It's all me, baby. Supersmart.
Das selbe gilt für Krankenhäuser, Ämter, Schulen, Büros, etc.
Für uns ist ein Krankenhaus nicht ein Haus in das man geht wenn man krank ist um dann gesund wieder heraus zu spazieren.
Wir Erwachsenen haben ein sehr viel komplizierteres Bild von all dem. Leute gehen manchmal ins Spital und kommen eben nicht gesund raus. Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden, Fehler passieren ab und zu, etc. All dies geht an Kinder vorbei. Wir können komplexer, weiter, abstrakter denken und das Ganze auch in der Praxis anwenden. Und obwohl ich den selben Vergleich in einem Artikel ungern drei mal ziehe ist das trotzdem wie Batman.
4.) Besserer Spaß
Ab und zu hab ich mit Kindern zu tun. Letztens war ich Betreuer einer Kinderstation bei einem Fest. Es gab eine Hüpfburg und so weiter. Als ich so bei dieser mickrigen Hüpfburg stand, dachte ich, klassisch sentimental "Hach, einmal wieder Kind sein und unbeschwert herumhüpfen können.". NAtürlich habe ich sofort die Kinder verscheucht, die Hüpfburg gespertrt und bin selber drauf losgehüpft. Siehe Punkt 1: Ich darf das.
Wie toll war das? Sehr toll. 8 von 10 Punkten. Und zwar für ungefähr ebenso viele Sekunden.
Klar ist Hüpfen toll, aber eben nicht so abwechslungsreich. Genauso können sich Kinder endlos über Pupsen totlachen. Natürlich wird jetzt der Einwand kommen, das ich zu wenig im Kontakt mit meinem inneren Kind bin. Diesen Leuten möchte ich versichern, ich bin auf jedem Entwicklungsstand außer dem körperlichen naherzu auf dem Level eines 7-Jährigen stecken geblieben. Es ist nur so, in dem viertel Jahrhundert in dem ich auf der Welt bin, habe ich schon sehr viel gehüpft. ich habe Leute pupsen gehört. oft. Für mich ist das Ganze nichts Neues.
Es ist also logisch, dass für mich ein intelligenter Witz oder ein tolles Wortspiel mehr gibt als auf Plastik und Luft herumzuhüpfen. Und weil das ganze rudimentäre Spaßverhalten aus dem Weg geräumt ist, hat man auch ein größeres Spektrum. Es gibt unendlich viele clevere und lustige Wortkombinationen. Im Gegenzug dazu gibt es nur eine relativ begrenzte Anzahl an Dingen, auf denen man hüpfen kann, bevor es fad wird.
Erwachsene haben also ein größeres Spektrum an potentiellem Spaß. 4:0 fürs Erwachensein.
Tut mir also leid, Kindheit. Du hast leider versagt. Aber keine Sorge, in ein paar Jahren wird es auch bei dir soweit sein. Bis dahin: Frohes hüpfen!
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Thx, für die 5 Minuten Schmunzeln und Lachen. Echt guter Eintrag, cool geschrieben und lustig zum lesen :D
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